01.01.12 16:29
CIO Interview
Interview mit Ingmar Bornholz, CIO der motionet AG
Ingmar Bornholz, CIO der motionet AG
Schönenguten Tag Herr Bornholz, ich begrüße Sie ganz herzlich zu dem Fachinterview mit
dem Thema „IT-Herausforderung für Unternehmen“. Sie sind der CTO und CIO beim
Technologiedienstleister motionet in Düsseldorf. Wie interpretieren Sie Ihre
Rolle als CIO in Ihrem Unternehmen?
Als
CIO verstehe ich mich als interner Dienstleister unserer Kollegen, die IT für
Ihre tägliche Arbeit benötigen. Wir sehen uns in unserer Vorstandsrolle immer
als Dienstleister der Mitarbeiter und des Unternehmens. Wir sorgen dafür,
entsprechende Informations- und Kommunikationsstrukturen aufzubauen und diese
auf die strategische Positionierung des Unternehmens auszurichten. Daher ist
meine Rolle als CIO und CTO sowohl in der strategischen Beratung der idealen
Kommunikationsstrukturen als auch in der Produktentwicklung für unser
Unternehmen.
Die
Bezeichnung „Chief Integration Officer“ ist relativ neu und noch nicht so lange
gebräuchlich. Ist das richtig?
Richtig,
CIO bzw. viele der mit „C“ anfangenden Titel sind von den Grenzen her manchmal
fließend. Dementsprechend kenne ich den CIO als Chief Information Officer, sehe
mich in der Rolle als Integration Officer.
Um
auf die IT-Herausforderung für Unternehmen zu sprechen zu kommen. Wo sehen Sie
hier die größten Herausforderungen?
Ich
denke, dass momentan die größten Herausforderungen daran liegen, die
unterschiedlichen Teams, die bei uns sehr verteilt arbeiten, über eine zentrale
IT an einen Tisch zu bekommen. Dementsprechend stellt das Thema Cloud Computing
eine zentrale Herausforderung dar. Ein weiteres Thema ist die Absicherung von
mobilen Geräten, die den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden, um
entsprechend Datenschutz und Datensicherheit im Unternehmen gewährleisten zu
können – und das kontinuierlich dem Informationsfluss angepasst.
In
einigen Interviews zu Mobile Business, die wir vor kurzem durchgeführt haben,
wurde das Thema „Bring your own device“ stark diskutiert. Dies bezieht
eigentlich direkt auf Ihren letzten Punkt. Warum ist dies eine zentrale
Herausforderung für Unternehmen und deren IT?
Ich
nenne das eigentlich „Consumerization of IT“. Dieser Begriff ist auch relativ
neu, wird dadurch geprägt, dass IT-Strategien zukünftig stärker in die Richtung
gehen, Mitarbeiter zu motivieren, ihre eigenen Endgeräte mit im Unternehmen zu
nutzen bzw. nutzen zu können und zu dürfen. Ein Beispiel ist das iPhone, das
als Endkundengerät entwickelt worden ist. Es wird mehr und mehr in
Arbeitsabläufe in Unternehmen mit einbezogen. Dementsprechend hat dieser Punkt
für mich höchste Bedeutung. Ich setze mich intensiv mit der Frage auseinander,
wie man es IT-seitig ermöglichen kann, endkundengerichtete Geräte und Programme
in die Unternehmens-IT mit allen Anforderungen einzubinden und entsprechend
Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten.
Es
gibt zwei zentrale Ausrichtungen in der Unternehmens-IT: die Zentralisierung
und die Dezentralisierung. Sind Sie ein Verfechter der Zentralisierung oder der
Dezentralisierung?
Hier
ist die Frage, auf welcher Ebene man das betrachtet. Wenn wir uns die Cloud
anschauen, könnte man auch sagen, sie ist eine zentralisierte Form der IT, denn
ich kümmere mich nicht mehr um Themen wie lokale Speicherung in einer Filiale,
sondern speichere nur noch an einer Stelle – nämlich in die Clouds. Ich bin
eher ein Verfechter der zentralen Richtung, da ich glaube, dass dadurch viele
Prozesse vereinfacht und die Last für die Mitarbeiter reduziert werden kann. Am
Ende ist es wichtig, dass es für die Mitarbeiter einfacher wird und Software
und Geräte somit leichter zu managen sind.
Daher
auch die besondere Position vom CTO und CIO im Unternehmen. Ist das richtig?
Genau.
Gerade bei uns als mittelständisches Technologieunternehmen im Internetbereich
verschmelzen diese beiden Positionen miteinander. Wir sind auch beratend für
große Unternehmen tätig. Daher suchen und stellen wir uns natürlich auch
solchen Themenstellungen.
Wie
steuern Sie Ihre IT bei der motionet AG?
Wir
bei der motionet AG haben versucht, die Kommunikation in synchrone und
asynchrone Kommunikation zu unterteilen. Synchrone IT bedeutet bei uns, z.B.
Instant Messaging, so dass alle innerhalb eines internen Messaging Systems
direkt miteinander kommunizieren können. Asynchrone Kommunikation bedeutet für
uns, dass wir auf ein eigenes Produkt setzen, dass wir entwickelt haben, wie
man das von Facebook und Twitter kennt Es werden sog. Activity Streams mit
Kurznachrichten genutzt, die man dort reinschreibt. Es hilft, Projekte zu managen,
Kommentare für Kunden oder Mitarbeiter können einfach hinterlassen werden,
Mitarbeiter können hinterlassen, wo sie gerade unterwegs sind bzw. an welchen
Aufgaben sie gerade arbeiten.
Was
war ausschlaggebend dafür, dass Sie dieses Messaging System selbst entwickelt
und nicht auf ein bestehendes Tool zurückgegriffen haben?
Die
Anforderung, gerade weil wir in vielen verteilten Teams und auch zeitlich
versetzt arbeiten, hat sich nun schon vor ca. zwei Jahren gestellt. Zu dieser
Zeit gab es im Enterprise-Bereich noch kein adäquates Tool, was man hätte
einsetzen können. Wir haben aber schon gemerkt, dass viele unserer Kollegen,
gerade aus dem privaten Umfeld, natürlich auch Facebook oder Twitter nutzen.
Wir sehen heute, dass dies eine sehr gute Möglichkeit ist, nicht nur formale
Kommunikation innerhalb des Unternehmens zu betreiben, sondern auch informelle
Kommunikation. Unsere Kollegen verabreden sich z.B. in Laufgruppen, die sie
innerhalb unseres eigenen Systems, das übrigens „HUBBER“ heißt, entsprechend
anlegen und sich dann dort dazu verabreden. Es bringt natürlich auch viel für
die interne Kommunikation. Kollegen lernen sich besser kennen. Gerade wir auf
der Vorstandsebene schreiben auch mal öfter über private Dinge, die wir machen,
z.B. Sonntagsausflüge, Feierlichkeiten, damit auch die Kollegen mehr von uns
mitbekommen. Diese Möglichkeiten haben wir damals nicht gesehen, dass es dazu
ein entsprechendes Tool gibt, welches unsere Anforderungen an Datenschutz und
Datensicherheit gewährleistet. Wir haben uns dann dazu entschlossen, dieses
selbst zu entwickeln.
Wird
dieses System jetzt auch für Kunden angeboten?
Genau.
„HUBBER“ wird seit März 2011 im Markt angeboten. Wir sind sehr, sehr zufrieden
mit der Entwicklung dieses Tools und merken dort auch, dass wir einen Markt
angestoßen bzw. angebohrt haben, der sich gerade zu entwickeln scheint. Wir
haben mehrere große Kommunikationsunternehmen auf dem deutschen Markt gewinnen
können, weil gerade auch dort asynchrone Kommunikation ein sehr großes Thema
ist. Wir sind sehr froh darüber, dass es so gut angenommen wird.
Kommen
wir zurück zu den IT-Herausforderungen. Spüren Sie die starke Nachfrage in den
Bereichen Kommunikation und Mobility. Hat die Nachfrage nach Lösungen in
letzter Zeit zugenommen?
Ja,
sie hat auf jeden Fall zugenommen. Was wir vor allen Dingen merken ist, dass es
im Unternehmen oftmals sehr viele IT-Systeme gibt und die Nutzer langsam aber
sicher davon überfordert sind. Es gibt endlos lange Email-Verteiler und keiner
weiß mehr genau, wann, wo, welche Email gelandet ist und es auch keine
Nachvollziehbarkeit mehr gibt. Aber wir sehen auch, dass ganz normale User in
Großunternehmen sich in bis zu 40, 50 IT-Systemen auskennen und diese bedienen
müssen, um die entsprechenden Prozesse im Unternehmen überhaupt abwickeln und
ihre tägliche Arbeit machen zu können. Hier sehen wir erhöhten Bedarf, gerade
an schneller, zuverlässiger Kommunikation. Wichtig ist dabei, den Menschen
wieder ein Stück weit die Arbeit abzunehmen und zu erleichtern und dass Sie untereinander
vernünftig kommunizieren können.
Es
kostet sicher auch sehr viel Zeit, sich mit vielen verschiedenen IT-Systemen
auseinander setzen zu müssen. Ist dies so?
Genau.
Was wir aus verschiedenen internen Studien, die wir aus unseren Projekten
herausgefunden haben ist, dass man mit geeigneter Software, die diese
IT-Systeme miteinander verbindet, tatsächlich 20 bis 30 % an Fragen reduzieren
kann. Beispielsweise im Intranet, damit Kollegen Informationen entsprechend
schneller finden. Hintergrund dessen ist, dass es in den meisten Unternehmen in
ausgeprägter Form im Internet Aufstellungen gibt, wo sich die ganzen Tools
befinden. Alle Informationen sind irgendwo im Unternehmen zu finden, aber sie
liegen meist sehr verstreut und kein Mensch findet sie mehr. Wenn man nun ein
Tool wie „HUBBER“ nutzt, dann hat man die Möglichkeit, den Suchaufwand, um
relevante Informationen zu finden, um 20 bis 30 % zu reduzieren.
Dies
ist ein ziemlich hohes Einsparpotential. Können Sie ungefähr abschätzen, wie
lange es dauert, bis sich die Investitionen in die Homogenisierung der eigenen
IT-Landschaft amortisiert? Gibt es hier Zahlen?
Konkrete
Zahlen gibt es an dem Punkt noch nicht. Was wir merken, ist, dass sich alte
Kommunikationsformen, wie die klassische Email, das angehängte Word-Dokument,
eingeschliffen haben. Erst wenn sich diese eingeschliffene
Standard-Kommunikation ein Stück verändert, also auch die Bereitschaft der
Kollegen da ist, auf neue Tools zurückzugreifen. Dann glaube ich, dass sich
dies im gesamten Einsparpotential auch rechnet. Was wir jedoch merken ist, dass
wenn jemand auf ein Tool wie „HUBBER“ zurückgreift, die Lernquote relativ hoch
ist. Das heißt, man fängt damit an zu arbeiten und ist in relativ kurzer Zeit
drin, da es vom Aufbau her ähnlich ist wie private Systeme, die die Nutzer
sowieso zu Hause nutzen, wie z.B. Facebook und Twitter.
Geben
Sie mir doch bitte noch einen persönlichen Einblick in Ihren Tätigkeitsbereich.
Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe als CIO und IT-Verantwortlicher besonders?
Wenn
man als Techniker, wie ich aufgewachsen bin, das heißt vom C64 über Atari und
Amiga und sein ganzes Leben mit IT zu tun hatte, gibt es natürlich eine gewisse
Grundfaszination. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Entwicklung uns
dazu hinführt, das Leben und immer mehr Bereiche des Arbeitsalltages mit
IT-Systemen zu unterstützen. Das macht es unglaublich spannend, diesem zu
folgen und immer anderen eine Nasenlänge voraus zu sein, um entsprechend neue
Produkte, wie z.B. „HUBBER“ entwickeln zu können und diese am Markt
entsprechend zu platzieren.
Herr Bornholz, ich bedanke mich für diese interessanten Einblicke. Sehr gerne, vielen Dank!
Das Interview hat Marc Brümmer (Redaktionsleiter AGITANO) geführt.
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„Sehr geehrter Herr Steffen
Vielen Dank für Ihre sehr gute Arbeit im MUK.
Beste Grüße
Ulrich Hartmann
Gesellschafter der moresophy GmbH